Lernmethode

Spaced Repetition: weniger lernen, länger behalten

Warum du 70 % einer Vorlesung in einer Woche vergisst – und wie Spaced Repetition die Vergessenskurve umkehrt, mit wenigen Minuten pro Tag.

5 Min. LesezeitAktualisiert am 2026-07-18

Du lernst ein Kapitel gründlich, und eine Woche später ist fast nichts mehr übrig. Das ist kein Motivationsproblem und kein „schlechtes Gedächtnis“: Es ist die normale Funktionsweise des Gehirns, schon 1885 von Hermann Ebbinghaus mit seiner berühmten Vergessenskurve vermessen. Die gute Nachricht: Diese Kurve lässt sich austricksen.

Die Vergessenskurve in einem Satz

Ohne Wiederholung ist das Vergessen erst brutal, dann langsamer: Das meiste geht in den ersten Tagen verloren. Aber jedes Mal, wenn du dich zwingst, eine Information kurz vor dem Verschwinden abzurufen, startet die Kurve höher und fällt langsamer. Wiederhole das ein paar Mal, und die Information hält monatelang.

Das Prinzip: wiederholen, kurz bevor du vergisst

Spaced Repetition heißt, die Wiederholungen derselben Information immer weiter auseinanderzuziehen: erst am nächsten Tag, dann nach einigen Tagen, dann nach Wochen. Zwei Zutaten machen die Methode so schlagkräftig: der Abstand (wiederholen, wenn es etwas schwerfällt, zwingt das Gehirn zum Festigen) und das aktive Abrufen (sich die Frage stellen und die Antwort aus dem Gedächtnis holen, statt nachzulesen).

Die Intervalle, die in der Praxis funktionieren

  1. 1Tag 0: Du lernst den Stoff (Vorlesung, Lernzettel).
  2. 2Tag 1: erstes Abrufen aus dem Gedächtnis. Dieser Durchgang rettet am meisten Behaltensleistung.
  3. 3Tag 3: zweites Abrufen. Geht schnell, wenn das erste stattgefunden hat.
  4. 4Tag 7, dann Tag 14: Der Stoff wird stabil.
  5. 5Tag 30 und danach: Gelegentliches Abrufen reicht, um alles frisch zu halten.

Diese Intervalle sind Richtwerte: Die eigentliche Regel ist adaptiv. Eine verpatzte Karte kommt schnell wieder; eine mühelos gewusste rückt weiter nach hinten. Genau das machen Algorithmen wie SM-2 (der von Anki und ASSIMIA): Sie berechnen Karte für Karte den optimalen Zeitpunkt der nächsten Wiederholung.

So legst du los – ohne kompliziertes System

  • Wandle jeden Lernzettel im Laufe des Semesters in Fragen (Karteikarten) um, nicht erst am Abend vor den Klausuren.
  • 10 bis 15 Minuten pro Tag reichen: Regelmäßigkeit schlägt Masse.
  • Vertrau dem Algorithmus: Wiederhole nicht extra, was er dir nicht zeigt – genau das ist der Sinn.
  • Fang früh an: Über ein Semester ist Spaced Repetition unschlagbar, in 48 Stunden wirkungslos.
In ASSIMIA werden die aus deinen Unterlagen generierten Karteikarten automatisch per Spaced Repetition (SM-2) eingeplant: Die Liste „Heute fällig“ zeigt dir jede Karte zum richtigen Zeitpunkt – und sonst nichts.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum Lernen am Vorabend?

Bulimielernen füllt das Kurzzeitgedächtnis: 24 Stunden lang wirksam, danach ist fast alles weg. Spaced Repetition baut Langzeitwissen auf – unverzichtbar fürs Staatsexamen, für aufbauende Fächer und für alles, was du nach der Klausur noch brauchst.

Funktioniert das auch bei Verständnisfächern (Mathe, Jura)?

Ja, mit angepasster Einheit: Statt Daten oder Definitionen behandeln deine Karten Methoden („Wie gehe ich diesen Aufgabentyp an?“) und Anwendungsvoraussetzungen. Auch Denkwege bleiben durch zeitversetztes Abrufen in Form.

Wie viele Karten pro Tag?

Füge maximal 10 bis 20 neue Karten pro Tag hinzu. Das tägliche Wiederholungspensum pendelt sich bei einigen Dutzend Karten ein – also 10–15 Minuten. Explodiert der Stapel, reduziere die neuen Karten, nicht die Wiederholungen.

Mach aus der Methode Praxis.

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